Der Name der Stadt Barth
Es ist bislang nicht geklärt, woher die Stadt Barth ihren Namen erhielt. Besonders erschwert wird die Forschung nach dem Ursprung durch die sich verändernde Schreibweise in verschiedenen Epochen. In einer Zeit, in der Latein die "Amtssprache" war schrieb sich das heutige Barth "Bard" oder "Baard". Spätere deutsche Urkunden verwenden "Bardt", "Barth", "Bart", "Bartt", "Barte" und "Bartte".

In der Barther Chronik von 1922 werden verschiedene Theorien vorgestellt: Demnach soll es vor der Stadtgründung bereits ein Gebiet gegeben haben, welches als " die Lande Barth " bekannt gewesen ist. In diesem Land befand sich ein kleiner Fluss, die Barthe bzw. Bartke, welche der später entstandenen Stadt den Namen gab.

Ein weiterer Versuch nimmt für die Namensgebung das Wappen der Stadt Barth zu Hilfe, welches unter anderem einen Mann mit einem Bart zeigt, dennoch weiterhin davon ausgeht, dass der Fluss der Stadt den Namen gab. Es ist höchst vergnüglich zu erfahren wie dieser Verfechter der "Bart "-Theorie versucht die Namensgebung des Flusses metaphorisch zu erklären:"Der Fluß Bartke gleiche einem kleinen Barte oder Bärtchen, (...), die Binnenwasser könnten einem Haupte, der Prerower Strom einem Halse und das große Meer einem Körper verglichen werden."

Des weiteren bezeugt eine andere Quelle die Erbauung der Stadt durch die Lango barden , welches sich ebenfalls im Wappen der Stadt wiederspiegelt: Hier wörtlich genommen, die Männer mit den langen Bärten, die in früherer Zeit paarweise im Wappen abgebildet waren. Eine durch die Zeit verkürzte Form von dem Wort "Lango bard en" gab der Stadt ihren Namen.

Ein anderer Chronist leitet den Namen der Stadt Barth von den sächsischen Bard ovikern ab, von denen bekannt sei, "daß sie am Rande der Insel Rügen vortrefflich Heringsfang und mit den Rugianern ihre Handlung gehabt." Bekräftigt werde diese These ebenfalls unter Hinzuziehung des Wappens, welches drei Heringe führt.

Eine weitere Vermutung geht zurück bis in das römische Reich und will unter Berufung auf den Geschichtsschreiber Tacitus folgendes beweisen: Barth beziehe sich auf das Wort "Bardi" und der Fluss Bardke auf den Fluss "Barda". Er stellt eine Verbindung zwischen den "Barden", also den Sängern von Heldenliedern her, was bedeuten würde, dass Barth als Musenstadt und die Barthe als Musenfluss bezeichnet werden könne. Zumindest einen küsste die Barther Muse, nämlich den Rügenfürsten Witzlaw III., der zeitweise in Barth residierte, galt als Minnesänger und Poet. Witzlaw nahm sogar am "Sängerwettstreit" in der Wartburg teil.

Der geheime Regierungsrat und Bürgermeister Emil Müller hingegen stellt im 19. Jhd. folgende Theorien auf, die auf eine sprachliche Ableitung fußen: Der Name " Barth " sei slawischen Ursprungs und leite sich von dem Wort "brod, broda ab, welches im Deutschen die Bedeutung "Fähre" hat. So wurde Barth als die Stelle bezeichnet, von der aus man nach Zingst übersetzten konnte. Weiterhin spekuliert er mit der Tatsache, dass in vielen Sprachen das Wort " bord " die Bedeutung "Rand" habe. Im Englischen heißt es " board ", französisch "bord", niederländisch " boord " und schwedisch sowie dänisch " bord ". Die Menschen, die hier früher lebten nannten ihren Wohnsitz "Bord", wie die Stadt auch noch heute im Plattdeutschen heißt, weil er den Rand bzw. den Saum des Meeres, die Küste bildet.

Eine Annäherung an die sprachliche Wurzel findet sich in dem slawischen Wort "bruiti", welches im Tschechischen zu "brt", oder Polnischen zu "barc" wurde. In Barth existierten zwei slawische Burgen, sodass eine Entwicklung des Stadtnamens aus diesem Sprachraum heraus möglich erscheint. Das Wort bedeutet im Deutschen "Waldbienenstock", welches erst einmal mit dem eher maritimen Ambiente nicht unbedingt in Verbindung zu bringen ist. Doch dies beleuchtet die Facetten der damaligen Landschaft zu einseitig. Natürlich mag es die Imkerei gegeben haben, welche sich in den umliegenden "Lande Barth" gelegenen Wäldern entwickelte. Und genau diese Deutung führt sprachlich zu der in den 1990er Jahren aufgestellte These:"Das sagenhafte Vineta liegt bei "Barth". In den wenigen Quellen, die über Vineta berichten, wird von einer Burg bzw. Festung mit den Namen "Jumme" gesprochen, woraus sich "Imme", also langläufig der Bezug zur Biene und "Waldbienenstock" herleiten lässt.

Zur weiterführenden Literatur sind die Chronik der Stadt Barth von Wilhelm Bülow, Barth 1922, Beyersdorf: Slawische Streifen, Anlage zum 32. Jahrgang der Baltischen Studien, 1882 und Wermusch, G./Goldmann, K.: Vineta - Die Wiederentdeckung einer versunkenen Stadt, Bergisch-Gladbach 1999.