Persönlichkeiten in der Barther Stadtgeschichte (Auswahl)
Friedrich-Adolf Nobert

anläßlich der 700-Jahrfeier 1955 aufgeschrieben
von Hans Rewolt, viele Jahre Bürgermeister der Stadt Barth

Es gibt wohl kaum einen besseren Anlaß als die 700-Jahrfeier unserer Stadt, um eines Mannes zu gedenken, der weit über Deutschlands Grenzen hinaus bekannt war. Wohl nur die, die im 19. Jahrhundert durch unsere Straßen wanderten, kannten ihn, den Mechaniker und Optiker Friedrich Adolph Nobert, wie er im langen Rock und mit breitrandigem Hut daher kam, und sie wußten auch, was er zur Nachtzeit, wenn der Verkehr auf der Straße ruhte, in seinem Vaterhaus in der Langen Straße 26 mit emsigem Fleiß herstellte.

Als Sohn des Uhrmachers Johann Friedrich Nobert und seiner Ehefrau Elisabeth, geb. Teez, wurde Friedrich Adolph Nobert am 17. Januar 1806 in Barth geboren. In seiner Geburtsstadt besuchte er auch die Volksschule und trat anschließend bei seinem Vater in die Lehre. Während seiner Lehrzeit bildete er sich in Physik und Mathematik weiter und konnte dadurch manche schwierigere Aufgabe praktisch lösen. Es gelang ihm, eine Uhr mit Sekundenzeiger und Einrichtung zur Aufhebung des Einflusses der Temperatur und der Lage herzustellen, und er sandte sie zur Gewerbeausstellung in Berlin 1827. Diese von ihm gefertigte Taschenuhr fand besondere Beachtung und Auszeichnung. Günstig für sein weiteres Fortkommen wirkte sich die Bekanntschaft und der anschließende Briefwechsel mit dem Direktor der Berliner Sternwarte, dem Astronomen Johann Franz Encke (geb. 1791, gest. 1865), aus. Auch die Aufmerksamkeit mehrerer Wissenschaftler der Universität Greifswald zog der junge Nobert auf sich. Diese ermöglichten ihm, daß er physikalische, vor allem aber mechanische und astronomische Werke aus der Bibliothek lesen konnte und mit der Instrumentensammlung Umgang bekam.

Im Sommer und Herbst 1829 gelang es ihm mit verschiedenen selbstverfertigten astronomischen Instrumenten u. a. auch die geographische Länge von Barth zu berechnen.

1833 absolvierte er das Gewerbeinstitut in Berlin. Durch Gewährung eines Stipendiums von 300 Thl. und Erstattung der Reisekosten wurde ihm das Studium ermöglicht. Zwei Jahre später kehrte Nobert seiner Geburtsstadtt den Rücken und siedelte nach Greifswald als Universitätsmechaniker über. Im Sommer des gleichen Jahres verheiratete er sich mit Mathilde Saeg aus Barth, die regen Anteil an seinen Arbeiten und Bestrebungen nahm.

Als sein Vater Ende der Vierziger Jahre starb, kehrte Nobert nach 15 jährigem auswärtigem Schaffen und wissenschaftlicher Tätigkeit in seine Heimatstadt Barth zurück (7. August 1834).

Hier leitete er in seinem Vaterhause eine eigene mechanische und optische Werkstatt. Nobert beschäftigte sich vor allem mit der Vervollkommnung einer Kreisteilmaschine, mit der er ausgezeichnete Leistungen erzielte. Gleichzeitig begann er auch an einer Maschine für Längsteilung zu arbeiten. Es gelang ihm dann, auf den Millimeter tausend parallele Striche gleichen Abstandes mittels eines Diamanten auf Glas zu ziehen. Damit hatte Nobert das beste Beugungsgitter seiner Zeit geschaffen.

Solche Gitter verwandte er zuerst als Prüfungsobjekt für die Auflösungsstärke von Mikroskopen anstelle der bisher üblichen natürlichen Objekte.

Die ersten Probeplatten aus dem Jahre 1846 besaßen in der Mitte in einer Breitenausdehnung von 94 mm zehn verschiedene Gruppen paralleler Linien, beginnend in der ersten Gruppe mit einem Abstand von 1/1000 mm endend in der letzten Gruppe mit einem Abstand von 1/4000 mm. Zwischen den einzelnen Gruppen waren größere Zwischenräume. Bald folgten noch feinere Teilungen der Liniengruppen, beginnend mit Linien von 1/1000 mm und endigend mit solchen von 1/10.000 mm Abstand. Jahrzehntelang war Nobert der einzige, der solche feine Teilungen liefern konnte.

Aus England, ja über das Weltmeer sind Gelehrte und Finanzleute zu unserem verschlossenen Erfinder gekommen, um von ihm das Geheimnis seines Verfahrens kennen zu lernen. Natürlich ohne Erfolg, denn in der kapitalistischen Zeit mußte jede Erfindung gegen unberechtigte Auswertung gesichert werden.

Nach mündlicher Überlieferung, soll die Teilmaschine, von der ein Abbild bis zum Zusammenbruch 1945 in der Aula der früheren Realschule in der Papenstraße (jetzt Fritz-Reuter-Schule) hing, nach Washington veräußert sein. Das durch die kriegsbedingten Verhältnisse in Verlust geratene Bild wurde im Februar 1955 wieder aufgefunden und wird künftig einen würdigen Platz im Heimatmuseum Barth einnehmen.

Die von Nobert hergestellten Erzeugnisse, wie z. B. Mikroskope, Schiffschronometer, Haus- und Standuhren waren wegen ihrer Genauigkeit sehr gefragt. Nobert war auch einer der Ersten, der zusammengesetzte Objektive verwandte.

Hinsichtlich der Farbenbestimmung der Sterne hat er aufsehenerregende Verbesserungen eingeführt, die seinen Namen in alle Lande trugen. Auch nach dem Tode Noberts erkundigten sich auswärtige Gelehrte nach ihm. Aus Berlin, München und Jena kamen Anfragen von Universitätsprofessoren. Selbst für die Zeiß-Werke in Jena wurde Noberts Wohnhaus in der Langenstraße 26 und das der Realschule geschenkte Bild fotografiert. Die Schule erhielt als Dank dafür ein Zeiß-Mikroskop geschenkt.

Interessant für die Heimatforschung ist noch die kürzliche Feststellung, daß trotz Krieg und Demontage folgende Gegenstände des Mechanikers Adolph Nobert im Optischen Museum des VEB Carl Zeiß Jena erhalten geblieben sind:

a) 2 Mikroskope von Nobert
b) die sehr wertvollen Teilungsgitter (Originale)
c) Originalbrief von Nobert vom 2.12.1872 an einen "Freund"
d) Handschrift: "Das Nobertsche Mikroskop 1861" und "Studien über das Nobertsche Mikroskop nach einer früheren Arbeit, - revidiert im Jahre, 1872 (Wahrscheinlich nicht von Nobert selbst geschrieben, sondern nur eine Abschrift)
e) Reproduktion eines Bildes "Nobert mit Mikroskop" um 1870.

Bezeichnend für Nobert war, daß er jede Arbeit an seinen Instrumenten selbst machte und nie einen Gehilfen hatte. Er kann den Ruhm für sich in Anspruch nehmen, daß mit seinen Erfindungen und Leistungen eine neue Epoche in der Verfertigung und Prüfung des Mikroskopes begründet worden ist.

Mehrere in- und ausländische Auszeichnungen in Form von Medaillen waren im Besitz des nach den höheren Zielen des Wissens und Könnens strebenden Nobert.

Am 21. Februar 1881 verstarb Friedrich Adolph Nobert in seinem Vaterhaus. Das Herz eines großen Sohnes unserer Heimatstadt hatte aufgehört zu schlagen.

Eine schlichte Tafel am Geburts- und Sterbehaus zeigt der Nachwelt an, wo der Erfinder, Mechaniker und Physiker gelebt und rastlos geschaffen hat (Anmerkung von 2006: Das Geburtshaus wurde 1971 abgerissen, die Tafel befindet sich am neuerbauten Haus an dieser Stelle). Eine Straße unserer Stadt trägt seinen Namen.

Noch in den Zwanziger Jahren erhielt der berühmte Sohn der Stadt Barth von Gönnern einen Grabstein, da sein einziges Kind geistesschwach und darum nicht in der Lage war, für einen Grabstein zu sorgen. Nahezu 50 Jahre lag also das Grab ohne Gedenkstein, ja, es bestanden anfangs sogar Zweifel, welcher der beiden Hügel die Reste des großen Erfinders und welcher die seiner Frau barg. Infolge einer Neugestaltung des Barther Friedhofes mußte der Gedenkstein im Jahre 1950 seinen Platz wechseln und hat nunmehr direkt am 1. Haupteingang zum Friedhof einen Sonderplatz erhalten. Der Grabstein trägt die Inschrift: "Dem großen Forscher, Erfinder und Wohltäter der Menschheit Friedrich Adolph Nobert, geb. am 17.1.1806, gest. 21.2.1881"

von Hans Rewolt (1955 zur 700-Jahrfeier der Stadt Barth)