Gedenkstätten in Barth
Stalag Luft I

wurde Anfang Juli 1940 hinter der Flakartillerieschule am Vogelsang eingerichtet. Nach einer kurzen Auflösung 1942 erhielt das Lager seit Ende 1943 den Status eines Offizierslagers. Am Kriegsende bestand Stalag Luft I aus vier Teillagern, in denen 2.000 Angehörige der Royal Air Force und der Luftstreitkräfte Kanadas, Neuseelands, Südafrikas, Rhodesiens und Australiens sowie 8.000 Angehörige der US-Luftstreitkräfte interniert waren. Das Lager wurde vom Internationalen Roten Kreuz, der Schweizer Schutzmacht und von der YMCA kontrolliert. Die Lebensbedingungen waren erträglich. Angehörige der Luftstreitkräfte der Roten Armee befanden sich in einer isolierten Baracke im Lager. Sie wurden nicht nach den Bestimmungen des Genfer Abkommens von 1929 bezüglich des Umgangs mit Kriegsgefangenen behandelt.

Nach dem Abzug der deutschen Wehrmacht in der Nacht vom 30.4. zum 1.5.1945 ging das Lager in die Selbstverwaltung der alliierten Kriegsgefangenen über. Zwischen dem 12. und 14. Mai kehrten die westalliierten Gefangenen in ihre Heimat zurück.

Nach dem Kriegsende wurde das Thema vergessen. Erst der ausdrückliche Wunsch ehemaliger amerikanischer Gefangener, ihren Haftort wiederzusehen, führte dazu, dass die Stadt 1985 eine erste Gedenkanlage mit einer Gedenktafel errichtete. Der unkorrekte Text auf der Gedenktafel wurde 1996 durch einen neuen Gedenkstein ersetzt, auf dem in deutscher und englischer Sprache an die im Kriegsgefangenenlager internierten Angehörigen der alliierten Armeen erinnert wird.



Mahn- und Gedenkstätte KZ-Außenlager Barth

Die NS-Zeit veränderte das Bild der Stadt Barth. Der Bau von Kasernen und Rüstungsbetrieben brachte kontinuierlichen Verdienst und wachsende Einwohnerzahlen. 1936 wurde der Fliegerhorst am südlichen Stadtrand eingeweiht. Zahlreiche Kasernengebäude entstanden. 1938 begann der Bau der Flak-Kaserne im Vogelsang. Hierher wurde das II. Flak-Lehrregiment verlegt.

Während des Krieges produzierten in Barth verschiedene Rüstungsbetriebe, wie die Pommersche Eisengießerei, die Ernst-Bachmann-Flugzeugwerke, die Ernst-Heinkel-Flugzeugwerke und die Pommerschen Industrie Werke. In diesen Betrieben waren zahlreiche ausländische Zwangsarbeiter beschäftigt.

Nach den Rostocker Luftangriffen 1942 gründete der Heinkelkonzern über 40 Zweigbetriebe in der ganzen Region. Dazu gehörte auch der Fliegerhorst in Barth. 1943 trennte das Unternehmen sechs Kasernengebäude als Unterkünfte für KZ-Häftlinge ab. Der erste bekannte Häftlingstransport erreichte Barth im November 1943. Insgesamt schätzt man die Häftlingszahlen im KZ Barth auf 7.000 Frauen und Männer aus über 20 Nationen, darunter Juden, Sinti und Roma sowie Homosexuelle. Sie mussten unter schwersten Lebensbedingungen 12-stündige Zwangsarbeit in der Flugzeugmontage leisten, waren den Schikanen des SS-Wachpersonals, einiger deutscher Facharbeiter und der Kapo's ausgesetzt. Hunderte Häftlinge verhungerten oder wurden erschossen.

Am 30. April 1945 trieb die SS die Häftlinge auf den Todesmarsch in Richtung Rostock.

Unweit des KZ-Geländes, am Ortseingang an der Chausseestraße wurde am 08.05.1966 die Mahn- und Gedenkstätte KZ-Außenlager Barth eingeweiht. Das Zentrum der Mahn- und Gedenkstätte wird durch eine Terrasse gebildet. Auf ihr befinden sich acht steinerne Grabplatten, eine Betonmauer und ein Turm. Die Betonmauer trägt Reliefs des Rostocker Bildhauers Joachim Jastram.



Gedenkstätte in der August-Bebel-Straße

Im Jahre 1955 wurde die Gedenkstätte in der August-Bebel-Straße eingeweiht. Sie sollte an die Toten erinnern, die im KZ Außenlager Barth gestorben sind. Aus diesem Grunde wurden die bis dato auf dem Gelände des KZ Bestatteten zur August-Bebel-Straße umgebettet. Auf einen mächtigen quadratischen Sockel, der vom Kaiser - Wilhelm - Denkmal des Marktes stammte, setzte man einen Marmorblock mit der Inschrift: "Unsterbliche Opfer / wir ehren euch". Auf den Block setzte man eine Opferschale. Diese Gedenkstätte bestand bis 1966. In diesem Jahr wurden die Toten erneut umgebettet und fanden ihre letzte Ruhestätte gemeinsam mit anderen Exhumierten aus den umliegenden Massengräbern Galgenberg und Rövershagen an dem neu errichteten Mahnmal des KZ Außenlagers Barth. Der Marmorblock und Sockel sind erhalten und die Anlage wird weiter gepflegt. Im Jahre 2001 erhielt sie wieder einen Gedenkzweck. Eine in Felsen eingelassene Gusstafel zum Andenken an die im ersten und zweiten Weltkrieg gefallenen Barther Bürger wurde vor den noch bestehenden Relikten der ursprünglichen Erinnerungsstätte platziert.



Sowjetisches Ehrenmal

An der Stelle des ehemaligen Kriegerdenkmals des ersten Weltkrieges, unweit vom Adligen Fräuleinstift, heute Platz der Freiheit, befindet sich das Sowjetische Ehrenmal. Hier befindet sich ein Friedhof für 13 Soldaten der II. Belorussischen Armee, die im Frühjahr 1945 in Barth ihren Kriegsverletzungen erlagen. 1948 wurden 20 sowjetische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, die zwischen 1943 und 1945 in der Umgebung Franzburg / Barth beigesetzt waren, hierher überführt. Im Jahre 1968 wurde das sowjetische Ehrenmal neu gestaltet: Der Bildhauer Reinhard Schmidt aus Bad Doberan schuf eine Betonmauer mit einem Halbrelief, das Soldaten zeigt. Rechts und links von dieser Ehrenmauer befinden sich 20 Grabtafeln.



Städtischer Friedhof

Auf dem städtischen Areal des Barther Friedhofes befinden sich heute mehrere Gedenksteine, vornehmlich in Erinnerung an die vielen Opfer des Nationalsozialismus. Die Stadt erwarb im 19. Jahrhundert diese Fläche von der Kirche. Sie sollte als Armenfriedhof dienen. Hauptsächlich wurden dort jedoch nichtchristliche Bürger bestattet. Insofern wurde im Volksmund dieser Platz "Judenfriedhof" genannt. Hier befinden sich unzählige Gräber von KZ-Häftlingen, Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern. Bis in die 50er Jahre müssen die Gräber gekennzeichnet gewesen sein. Ein heute zu sehender Gedenkstein erinnert an eine Begräbnisstätte von 114 sowjetischen Kindern von Zwangsarbeiterinnen, die hier während der Kriegsjahre verstarben. Ein weiterer Stein trägt die Namen von acht polnischen Männern, ein nächster gedenkt den Tod italienischer Zwangsarbeiter. Ein anderer Findling kennzeichnet eine Ruhestätte von 180 Umsiedlern. In dieser Reihe befindet sich auch ein Stein mit eingearbeitetem Davidsstern der an die hier begrabenen jüdischen Barther Bürger erinnert.

  Übersichtskarte / Lageplan



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www.dok-barth.de

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